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Gute Entscheidungen entstehen selten nur im Kopf. Sie entstehen dort, wo Erfahrung, Neugier und Bauchgefühl zusammenkommen. Genau da fühle ich mich wohl: zwischen Idee und Umsetzung, Markt und Organisation, Mensch und Produkt.
Mit fünfzehn wollte ich Radio- und TV-Elektroniker werden. Also schwang ich mich aufs Velo, fuhr ins Dorf zu TV Schott und Radio TV Iseli.
Beide hatten keine Lehrstelle frei. So landete ich an der Kantonsschule Trogen. Nicht geplant aber prägend.
Während der Kantonsschule drehte sich für mich fast alles um die Leichtathletik. Der Höhepunkt: Schweizermeister im Mannschaftsmehrkampf mit Matthias und Florian.
Daneben probierte ich aus, was mich interessierte: eine Dunkelkammer, der Wunsch Fotograf zu werden, Einblicke ins Marketing, ein Dressman-Kurs, Schlagzeugunterricht, die Ausbildung zum Skileiter bei J+S.
Neugier war schon damals mein stärkster Antrieb.
Mit dem Maturazeugnis in der Hand entschied ich mich für ein Bauingenieurstudium an der ETH Zürich. Papier, Taschenrechner, Zeichenstift – Computer waren noch Exoten.
Ich wählte mein Studium bewusst breit: Grund- und Wasserbau, Unternehmensplanung und Führung, Umwelt und Verkehr und so viel Holzbau und Holzwerkstoff wie möglich. Damals je ein Semester à 13 bzw. 16 Doppelstunden. Spezialisieren kann man sich später. Jetzt wollte ich möglichst viel verstehen.
Meine Diplomarbeit schrieb ich über das Radwegkonzept der Gemeinde Herisau – bereits digital. Die Fotos klebte ich noch von Hand ein.
Und dazwischen lernte ich bei meinem besten Studienfreund Georges das Segeln.
Nach einer Reise durch Südafrika und einem Segeltörn im Mittelmeer begann ich bei Holzbaupionier Hermann Blumer. Als sein persönlicher Assistent und Projektleiter bei der Blumer AG lernte ich enorm viel – fachlich und unternehmerisch.
Projekte wie die Eishalle Scuol, die Tennishalle Arosa oder das Handelskontor Willmann prägten mich stark.
Beim Handelskontor meinte Hermann: „Du darfst erst wieder nach Hause kommen, wenn du den Auftrag hast.“ Also blieb ich über Nacht – und suchte mit dem Bauherrn so lange nach Lösungen, bis sie für ihn wirtschaftlich tragbar waren.
Seitdem weiss ich: Verkaufen beginnt mit Zuhören.
Es folgten grosse Projekte und wachsende Verantwortung: die Messehalle Hannover als Projektverantwortlicher bei der Lignatur AG, die 11 Multiservicekomplexe der Expo 2000 in Hannover bei Nüssli und die REHAB Basel bei Blumer Lehmann.
In dieser Phase stellte mir Ruedi Jud die entscheidende Frage, ob ich zu Lignatur zurückkehren wolle.
Um Klarheit zu schaffen, entschieden wir uns bewusst für ein Assessment. Das Ergebnis war eindeutig:
Diese Erkenntnis nahm ich ernst. Um Unternehmertum und Marketing besser zu verstehen, absolvierte ich das Nachdiplomstudium KMU an der HSG. Meine Diplomarbeit: Marketing Lignatur.
Ich wollte nicht nur gute Lösungen entwickeln, sondern auch verstehen, wie man sie in den Markt bringt.
Ab 2003 beteiligten sich Ruedi Jud und ich im Rahmen eines Mitarbeiterprogramms zu 30 % an der Lignatur AG. Ruedi verantwortete Betrieb, Produktion, Einkauf, Administration und IT. Ich Marketing, Produktentwicklung, Verkauf.
Klare Rollen. Klare Verantwortung.
Beste Voraussetzung für Vertrauen.
Möglich machte das Willi Glaeser. Damals VR-Präsident der Lignatur AG. Vorzeigeunternehmer mit Haltung.
Er glaubte an uns. Öffnete die Tür.
Und prägte mit einem Satz:
Erfolg hat, wer teilen kann.
2007 übernahmen wir die Lignatur AG je zur Hälfte im Management-Buy-out – finanziert mit einem Bankkredit.
2009 entschieden wir uns trotz Finanzkrise für die Erweiterung der Lignatur AG. Neue Halle. Neue Büros.
Die Baugrube besichtigte ich gemeinsam mit meinen Söhnen Luca und Gian. Ein Moment, der Verantwortung beruflich wie privat greifbar machte.
Unternehmerisch. Mutig. Richtig.
Musik, Sport, Freunde, Familie und ein Zuhause begleiten mich seit vielen Jahren.
Sie erden, geben Energie und erinnern daran, dass nicht alles kontrollierbar sein muss.
Mit 45 war mir klar: Ich habe noch viel zu wenig getanzt.
Also nahm ich Privatstunden und wagte mich aufs Parkett.
Und fand dabei erst den Takt und später meine heutige Partnerin Carmen.
Mein Sohn Gian während eines Ferienjobs in der Produktion bei Lignatur.
Heute studiert er Maschineningenieur an der ETH Zürich.
Unternehmertum interessiert ihn genauso wie Alternativenergien.
Ich bin gespannt, wohin ihn diese Kombination führt.
Mein Sohn Luca studiert Architektur an der Hochschule Luzern.
Vielleicht bauen wir eines Tages gemeinsam ein Solarhaus.
Mit jugendlichem Leichtsinn, Neugier, Mut und viel Holzverstand.
2022 durfte ich Ruedi Jud für 30 Jahre Lignatur-Tätigkeit ehren.
Gleichzeitig blickten wir auf 25 Jahre Zusammenarbeit zurück – ohne einen einzigen Streit.
Nicht immer gleicher Meinung.
Aber immer mit Respekt und einem gemeinsamen Ziel.
Alles andere als selbstverständlich.
Seit Sommer 2024 liegt die Führung der Lignatur AG in den Händen der neuen Geschäftsleitung. Vier Persönlichkeiten mit viel Lignatur-Erfahrung, frischen Ideen und klaren Werten.
Die Geschichte geht weiter, ehrlich, verlässlich und sparsam mit Holz.
„Und plötzlich weisst du:
Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.“ – Meister Eckhart
Ich freue mich auf mehr Zeit für meine Nächsten, meine Hobbys und auf neue Aufgaben dort, wo Produktidee, Markt und Organisation zusammenkommen.
Als Sparringspartner, Coach oder Umsetzer. Vielleicht auch mit Ihnen in einem gemeinsamen Projekt.